
Dressurakt der „Bestie Mensch“: Gwendolin
Fähser und Jürgen Braun an der Drehorgel
gestalteten ein Freilicht-Programm mit
Beiträgen aus den 20er Jahren. | Foto: R. Frey

Jürgen und Manuel Braun (von rechts)
begeisterten mit Musik und Texten zur
Advents- und Weihnachtszeit im
Orgelbauersaal. | Foto: Eberhard Weiss

(...) So idyllisch das Ambiente, so kritisch, bissig und nachdenklich waren die Texte, die Gwendolin Fähser vortrug und die Jürgen Braun mit ausgewählten Stücken verschiedener Komponisten auf der Drehorgel untermalte. Es ging um Texte und Musik der "Goldenen Zwanziger", die aber keineswegs so golden waren.
(...) So entstand ein dichtes, stimmiges Zeitbild der 20er Jahre, musikalisch vortrefflich illustriert von Jürgen Braun an seiner wunderschön klingenden Drehorgel. Auf dieser spielte er Chansons des "Dreigroschenoper"-Komponisten Kurt Weill oder Stücke des im KZ umgekommenen Komponisten Erwin Schulhoff, aber auch den "Marsch des Soldaten" aus Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" – oder einen Walzer von Schostakowitsch. Es hatte seinen besonderen Charme, diese rhythmisch prägnanten, oft parodistischen Tanzmelodien einmal auf diesem ungewöhnlichen Instrument zu hören.
Badische Zeitung vom 20.06.2009
Mit einem "Allegro für eine Flötenuhr" von Philipp Emanuel Bach begann der musikalische Teil des Abends, nachdem Manuel Braun mit Matthias Claudius’ "Ein Lied hinterm Ofen zu singen" den vielen Besuchern in der "guten Stube der Orgelstiftung" mit dem Versprechen, die Herzen der Zuhörer mit Werken und Kompositionen unterschiedlichster Autoren und Musiker zu wärmen, ein herzliches Willkommen entboten hatte. So wechselten sich in bunter Reihenfolge Lyrik und Prosa von Andreas Gryphius und Friedrich Spee (ein "Poetischer Christgesang") mit Walter Benjamins "Weihnachtsengel", der "Guten Nacht" von Berthold Brecht mit Ludwig Tiecks "Schilderung des Weihnachtsmarktes in Alt-Berlin" ab.
Hans-Dieter Hüschs "Weihnachten" ist eine herrliche Parodie auf die Vorbereitungen zur Bescherung. Manuel Braun erfreute durch seinen klaren und stets differenzierenden Vortrag. Jürgen Braun hatte sich drei Sonaten von Domenico Scarlatti ausgesucht, aber auch Ernest Blochs Komposition "Winter" aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Mozart selbstverständlich: ein Deutscher Tanz mit dem herrlichen Trio "Die Schlittenfahrt". Zum Schluss die schöne Air aus Georg Friedrich Händels "Wassermusik". Als Zugabe noch Wilhelm Busch und ein Menuett von Joseph Haydn.
Badische Zeitung vom 05.12.2008
Braun (…) führte die interessierten Zuhörer mit anste-
ckender Begeisterung und großer Sachkenntnis durch mehr als 200 Jahre Musikgeschichte. Vor allem bei Eric Saties Kompositionen, bei denen er die Töne der Dreh-
orgel mit einer pointierten Rezitation der zugehörigen Kurzprosa kombinierte, entfaltete sich der ganze Zauber einer gelungenen Symbiose.
Die dabei entstehenden Bilder eines bald heiratenden Wildschweins und eines Oktopus, den ein Glas Salzwasser auf andere Gedanken bringt, nachdem er über seine eigenen Füße gestolpert ist, erheiterten das beeindruckte Publikum. Dass diese Drehorgel besonders weich intoniert ist und einen respektablen kammermusikalischen Klang erzeugt, kam bei fünf Stücken von Joseph Haydn wunderbar zur Geltung.
(…)
In zwei von Wolfgang Amadeus Mozart komponierten Deutschen Tänzen ließen sich die für eine Schlittenfahrt charakteristischen Glöckchen und ein zwitschernder Kanarienvogel hell und klar vernehmen. Werke von Jean Philippe Rameau, Paul Hindemith und Antonio Soler rundeten ein breit gefächertes, niveauvolles Konzert-
erlebnis ab.
Badische Zeitung vom 10.11.2007
Dr. Jürgen Braun, Ernst-Duis-Weg 13, 79219 Staufen i.Br.